Donnerstag, 14. Oktober 2010
Gespräch mit einer Arbeiterfrau
Das Gespräch wurde von Gertrud Völker mit einer Frau Grünig geführt und protokolliert. Es ist ein Zeitdokument aus der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert.
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Protokoll: Gertud Völker Gespräch mit der Genossin Grünig
(Abschrift)

Am 1.6.1950 habe ich mich mit der 80 jährigen Genossin Grünig, früher Kiel, jetzt wohnhaft bei ihrer Tochter und dem Schwiegersohn Marta und Willi Thomsen in Stadthagen, unterhalten über ihre Erinnerung und die Entwicklung der SPD und ihrer Tätigkeit in der selben.

Genossin Grünig erzählt:
Am 1. Oktober 1950 vor 60 Jahren ist das Sozialistengesetz gefallen. Vor Freude haben die aktiven Genossen die sich illegal in ihren Zusammenkünften getroffen haben, die Fenster illuminiert, wir wohnten damals in Gaarden. In die erleuchteten Fenster haben wir Bilder von Marx und Engels gestellt, ich erinnere noch heute den Glanz der Kieler und Johannesstraße. In der Zeit des Sozialistengesetzes sind die Genossen illegal zusammengekommen; wo jetzt Häuser stehen, war damals alles frei und grün. Wir sind mit den Familien ins Grüne gegangen, haben dort gelagert Auf den Wegen stand ein Genosse oder seine Frau und hielt Wache. Wenn sie glaubten, daß wir beobachtet wurden, gab es ein Pfiff. Ich nahm an solchen politischen Sitzungen in einer Sandkuhle teil. Es wurde beschlossen zum 1.10. eine Zeitung herauszugeben, das wurde die Norddeutsche Volkszeitung, die drei mal in der Woche erschien und in deren Druckerei sich in Hamburg befand. Bisher kam eine Zeitung aus Wilhelmshaven.
Am 1.4 1893, so weis ich mich noch zu erinnern ist die täglich erscheinende Schleswig-Holsteinische Volkszeitung erschienen.

Wir kamen mit den Frauen der Genossen zusammen, die uns erzählten, daß während des Ausnahmegesetzes auch eine illegale Frauengruppe in Gaarden bestanden hat, die von einer alten Genossin Rathje, die in der Kieler Straße einen kleinen Hökerladen noch in der Inflationszeit hatte.

Dann kam September oder Oktober 1893. Es wurde eine öffentliche Versammlung einberufen und besonders die Frauen aufgerufen, sie erinnert diese Versammlung noch so genau, weil ihre Tochter damals Säugling war.
Dann wurde der Bildungsverein für Frauen und Mädchen in Kiel gegründet, den die Frauen der Arbeiterklasse aufnahmen, die bürgerlichen hatten bereits ihren Verein. Referentin war die Genossin Wilhelmine Kähler.In der Versammlung wurde beschlossen, einen Frauenbildungsverein zu gründen, 200 Frauen meldeten sich Als Mitglieder. Das Thema der Versammlung war, die Rechtlosigkeit der Frau und ihre unwürdige Behandlung von Seiten des Staates (für Frauen waren politische Versammlungen verboten) .
Ich war von Wilhelmine Kähler begeistert, ich war damals 22 Jahre alt, und hatte zum erstenmal eine Frau sprechen hören. Ich trat dem Bildungsverein bei und wurde Kassenrevisorin, wir bezahlten 20 Rpf. Im Monat. Die erste Vorsitzende des Vereins war Katharine Bode. Die Frauen durften nicht Mitglied der Partei sein, es bestand das Vereins- und Versammlungsgesetz, das 1908 fiel. Die verschiedenen Länder hatten jedes ein Gesetz für sich, boshaft und tückisch ausgedrückt, das Frauen, Lehrlinge und Minderjährige politischen Vereinen nicht angehören durften. Die Bildungsvereine sind später verflacht, nachdem in ihnen anfangs recht gute Arbeit geleistet wurde.

Wir hatten die Schleswig-Holsteinische Volkszeitung, deren 1.Redakteur Genosse Strobel und Jochen Kluss war. Beide Genossen haben im Frauenbildungsverein Vorträge gehalten, auch Wilhelm Poller, der damals Former auf der Kaiserlichen Werft war und gemaßregelt war. Er und Genosse Biskujek hatten zum Werftarbeiterstreik aufgerufen, beide saßen am Vorstandstisch der Versammlung und durften am anderen Morgen die Werft nicht mehr betreten. Genosse Heinzel war Nähmaschinenreisender



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und hat darauf den Genossen Biskupek bei der Nähmaschinenfabrik Neidlinger angebracht als Nähmaschinenreisender. Genosse Poller kam 1893 als Berichterstatter zur Volkszeitung und war auch tätig als Annoncenwerber. Damals gab es noch keine zentralen Gewerkschaften, sondern in den 90ger Jahren gab es nur ortsweise Gewerkschaften. Mein Mann war Mitglied des Tischlerfachvereins. Diese Vereine waren in Kiel und in Gaarden, zu Geselligkeiten kamen beide in Kiel zusammen.

In den Bildungsvereinen für Frauen wurden Vorträge gehalten über Heine usw. als revolutionäre Dichter, politische Referate durften nicht gehalten werden, desgleichen über Goethe. Im Laufe der Jahre waren die Frauen nicht Standhaft, sie hatten viele kleine Kinder, auch ich konnte aus diesem Grunde zeitweise nicht mehr in Versammlungen der Frauen gehen, im laufe der Jahre verflachte der Bildungsverein. Aber dann sagte man sich wieder, die Frauen müßten wieder wachgerüttelt werden. Und dann hat 1904, in Hamburg war das politische Leben bereits freier, Frauen durften hier bereits Mitglied politischer Vereine sein und Frauen waren dort bereits politisch tätig, Luise Zietz aus Hamburg, in ganz Deutschland Frauenversammlungen gemacht. Von der Zentrale in Berlin wurde immer wieder versucht, ein Bresche zu schlagen, es wurden in Berlin Agitationskommisionen gebildet. So wie sich eine gebildet hatte, war die preußische Polizei dahinterher und löste sie auf, so daß es fast unmöglich war an die Frauen heranzukommen. Dann kam der Parteivorstand auf die Idee, überall in den Orten Vertrauenspersonen (Frauen) zu benennen, denn Personen kann man ja nicht auflösen.

Luise Zietz ist überall herumgereist und hat öffentliche Frauenversammlungen gemacht und in allen wurde dann ein Vertrauensperson gewählt, das war eine Grundlage für die politische Arbeit der Frauen. Diese örtliche Vertrauensperson wurde nach Berlin in die zentrale Vertrauensperson gemeldet, das war Ottilie Bader. Diese hatte den Schriftverkehr geführt mit den örtlichen Vertrauenspersonen . In Gaarden wurde ich die erste Vertrauensperson im Jahre 1905, meine Vertreterin war Frau Lorenz. Während ich in Gaarden Vertrauensperson wurde, war es in Kiel die Genossin Theodora Niendorf ihre Stellvertreterin Frau Jansen. Die Vertrauenspersonen haben in Zeitabständen von 4-6 Wochen eine öffentliche Frauenversammlung einberufen. Es war Vorschrift, daß diese immer 3Tage vorher bei der Polizei angemeldet werden mußte und dann zeigten sich in der Versammlung ein, manchmal 2 behelmte Schutzleute. Diese haben den ganzen Abend die Versammlung überwacht, ob nicht staatsgefährdend gesprochen wurde.

Das Arbeitersekretariat war schon gegründet und der Genosse Niendorf war Arbeitersekretär. Er war auch Referent bei den Frauen, hat zu den Frauen über die Gesindeordnung gesprochen, insbesondere zu den Dienstmädchen und Landarbeiterinnen. Er hat den Frauen klargemacht, wie furchtbar es war und welchen Mißbrauch man trieb mit dem sogenannten Dienstbuch. Wenn die Mädchen sich nicht alles gefallen ließen und der Madame die Wahrheit sagten, bekamen sie ins Dienstbuch geschrieben: widerspenstig. Die Mädchen bekamen dann schlecht Stellung wieder. Mit diesen Fragen haben wir uns sehr befaßt.


Emma Ihrer war in der Gewerkschaftsbewegung tätig und hat dort bei den ersten Anfängen für Heimarbeiterfragen gearbeitet: Fragen der Mantelnäherinnen, Wäscherinnen und Plätterinnen . Die Versammlungen kosteten etwas Geld, ein par Mark für Auslagen an die Referentenkommission waren nötig.







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Gleichzeitig mit den ersten öffentlichen Frauenversammlungen wurde für die Gleichheit eine große Agitation betrieben. Wir hatten 1905 eine große öffentliche Frauenversammlung in der Concordia, Gaarden, Lübecker Chaussee, in dieser hat Luise Zietz ein glänzendes Referat gehalten und für die Gleichheit gesprochen und Frauen aufgerufen, die Gleichheit zu abonnieren. In dieser Versammlung haben sich 180 gemeldet. Dadurch wurde ein Bund geschaffen und dann schickte uns Ottilie Bader von Berlin 5 Pfg. Marken der Partei. Die Frauen die, die Gleichheit, deren Verteilung in Bezirke eingeteilt war, bekamen die 5 Pfg. Marken mit, die sie dann verkauften. Kleine Bezirke von 30, 40 Abonnenten, wo es ärmlich war wurden nicht kassiert. Die Gleichheit kostete einen Groschen, die Volkszeitung lies uns die Gleichheit für 8 Pfg., so kamen 2 Pfg. in unsere Kasse.

In Kiel haben die Genossin Jansen, die sehr rege war, und die Genossin Attenberger mit der Genossin Niendorf zusammengearbeitet. Klara Zetkin und Emma Ihrer waren die Redakteure der Gleichheit. Das geistige Niveau der Gleichheit war sehr hoch, viele verstanden sie nicht, haben sie aber auch nicht abbestellt, weil es ja unsere Zeitung war. Das war in allen Orten von ganz Deutschland so und das war nach meiner Meinung der Anstoß, daß sie einsehen mußten, daß man den Frauen das Versammlungsrecht nicht weiter vorenthalten konnte, denn wir haben immer so gearbeitet, daß es uns gelang der Polizei und dem Gesetzgeber ein Schnippchen zu schlagen. So trugen wir dazu bei, daß sich die Frauen in dieser Situation behaupteten.

Ehe das Vereins- und Versammlungsgesetz im Oktober 1908 fiel, hatte man den Frauen erlaubt in politische Versammlungen zu gehen. Wir mußten aber im Segment sitzen, das heißt in einer für Frauen bestimmten Ecke. Die Frauen hatten aber ein strenges Verbot, einer Frau durfte nicht das Wort erteilt werden, die Frauen durften zuhören, und das haben sie getan. Die Genossin Glaser, Genossin Andraschke Genossin Jordan waren 1905 dabei und auch ich haben die Sache in Gang gebracht. Ich bin erst zurückgetreten als ich meine 6 Kinder hatte. Frau Büll wurde in Gaarden meine Nachfolgerin. Genossin Niendorf hat die Arbeit bis 1908 gemacht, sie trat dann dem Vorstand der Partei bei.

Im Jahre 1905 war Gaarden noch ein selbständiger Bezirk. Auf Beschluß eines Provinzialparteitages mußten sie ihre Selbständigkeit aufgeben und sich der Kieler Organisation anschließen. In Gaarden kam die Genossin Andraschke in den Bezirksvorstand.
Als im Oktober 1908 das Vereins- und Versammlungsgesetz gefallen war und die Frauen Mitglied politischer Parteien sein konnten sind wir geschlossen in den Sozialdemokratischen Verein eingetreten. Es waren von Gaarden fast 300 Frauen.

Die Genossin Niendorf hatte der Schulkommission angehört, das hatte der Genosse Eduard Adler als Stadtverordneter erwirkt. Mein Mann Rudolf Grunig war auch Stadtverordneter vor dem 1. Weltkrieg. Nun durften die Frauen Mitglieder der politischen Parteien sein, sie durften aber nicht wählen und konnten nicht gewählt werden. Erst 1919 zogen bekanntlich die Frauen ins Parlament ein.














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Die Frauen haben für das Wahlrecht gekämpft. 1910 war ein internationaler Parteikongreß in Kopenhagen, davor fand ein Internationaler Frauenkongreß statt. Auf diesem Kopenhagener Kongreß wurde der Beschluß gefaßt, daß in jedem Jahr ein Frauentag abgehalten werden sollte mit der Forderung: „Her mit dem Frauenrecht“. Das ist von 1910 ab jedes Jahr gemacht worden, es wurde gleichzeitig gewünscht, daß möglichst Frauen die Sprecher sein sollten. Genossin Niendorf, Jansen und ich waren Frauentagsreferentinnen.

Die Genossin Karstens, Neumünster gehörte dem Parteivorstand an. Die Frauen kamen in die Versammlungen, es waren schöne Versammlungen und auf den Frauentagen haben wir Mitglieder für die Partei geworben, jedesmal haben sich welche aufnehmen lassen. Bis Ausbruch des Krieges war ich Referentin, in Wandsbek und Neumünster 1913, auf dem Kieler Frauentag hat Frau Niendorf gesprochen, Frau Jansen in Winterbek.

Die Theoretikerin des Parteiprogramms war Rosa Luxenburg. Im Winter 1907 war ich in Kiel mit ihr zusammen gewesen. Als wir bei einer Wahl schlecht abgeschnitten hatten, hat sie in Gaarden im Kaisersaal gesprochen. Die Menschen sind durch die Fenster gestiegen, die Polizei hat absperren müssen und keinen mehr hereingelassen, die Menschen sind weiter über den Garten und der Kegelbahn durch die Fenster gestiegen. Rosa Luxenburg hatte mir versprochen, einmal in Gaarden zu sprechen und so wurde diese Versammlung ein großer Erfolg. Ein Jahr später hat sie in ebenso überfüllten Versammlungen in Kiel gesprochen. Als sie in Gaarden gesprochen hatte, wollten wir uns am anderen Morgen in Kiel treffen im Hansahotel, Mein Mann und ich, sowie andere Persönlichkeiten haben sie am Hotel abgeholt. Darunter befand sich auch der Genosse Korn der nach Klüss in die Volkszeitung kam. Korn war kein Redner, aber ein hervorragender Schreiber. Wir machten mit Rosa Luxenburg einen Spaziergang durch Düsternbrook. Die kleine bescheidene Persönlichkeit hat sich nie als die große Theoretikerin aufgespielt, sie war sehr nett zu den Frauen. In einem Laden an der Reventloustraße kaufte sie für die Kinder von Kautzky einen Muschelkasten. Rosa Luxenburg war hüftlahm und konnte schlecht gehen, sie freute sich, daß zu dem Spaziergang Frauen mitgekommen waren, bei denen sie sich einhängen konnte. Wir brachten sie an die Bahn zur Weiterfahrt, denn abends hatte sie wieder an einem anderen Ort gesprochen. Und diese kleine zarte, gute Person ist von den rohen Kerlen kaputt geschlagen, meine ganze Empörung gilt diesen rohen Vichern, mit Namen Pflug und Hartung.

So habe ich den Aufstieg und den Niedergang der Sozialdemokratischen Partei erlebt. 1933 habe ich zu den Frauen in der Frauengruppe gesprochen. Aus Neumünster kam während der Kriegszeit Nanny Kurfürst mit ihrem Mann. Beide kamen in die Parteibewegung Genossin Luise Andratschke wollte nun einmal abgelöst sein, sie hatte von 1908 bis in die erste Kriegszeit hinein den Vorsitz gehabt. Ich bin nicht in der Versammlung gewesen, aber die Genossin Puls (Franz Puls seine Mutter) erzählte, wir haben Nanny Kurfürst in den Vorstand gewählt und damit einen guten Griff gemacht. Frau Puls hat zu den ersten Frauen gehört, die die Gleichheit mit ausgetragen haben, 1919 arbeitete sie in der Arbeiterwohlfahrt mit. Zum Frauenbildungsverein hat Genossin Rindfleisch gehört, die aber kränklich war.














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Als der Krieg ausbrach und der Kaiser sein: “Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche“ traten bürgerliche Frauen auf den Plan. Gräfin Reventlow und Frau Prof. Suthaus und haben unsere Frauen Einladungen geschickt. Auch an die Genossin Andratschke und an mich ergingen Einladungen zu einer ihrer Versammlungen, Genossin Jordan und ich waren hingegangen.

Im Kieler Hauptvorstand ist die Genossin Riechers gegangen und hat von Anfang an mitgemacht. Die Lebensmittel wurden Knapp, die Engländer wollten uns aushungern, da wurde auf Beschluß der bürgerlichen Frauenversammlung ein Kriegskochbuch gemacht und ein solcher Ausschuß gebildet, in diesen Ausschuß kam die Genossin Riechers. Die bürgerlichen Frauen haben Kochkurse in den Schulen für Arbeiterfrauen abgehalten. Wir wollten nicht mitmachen, wir hatten kein Geld uns zusätzlich Lebensmittel zu kaufen, die anderen hatten Geld und bekamen alles. Genosse Poller wollte aber, daß unsere Frauen dabei waren. Wir haben mit den bürgerlichen Frauen an Kriegskochkursen teilgenommen, Frau Andratscheke referierte. Unsere Frauen haben mit den bürgerlichen zusammen für die Allgemeinheit gekocht, gekocht mit ganz wenigen Mitteln. Das waren die ersten Anfänge der Frauen in der Öffentlichkeit. Der Krieg ging weiter, wir bekamen den Auftrag, Kriegerfrauen zu betreuen, das war der Anfang unserer sozialen Arbeit. Man schickte uns zu den Kriegerfrauen, gaben uns aber nichts an die Hand um ihnen zu helfen. So hatte z.B. eine Frau ihr Geld verloren, ich sehe sie noch, unsere Frauen sagten ihr, daß sie etwas wieder bekäme. Rechtsanwalt Macht war während des Krieges der Hauptbeträuer der Kriegerfrauen. Während des Krieges bestand also eine Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Frauen. Genossin Lausen (die Mutter von Willi Lausen) wurde von Nanny Kurfürst vorgeschlagen, sie war führend im Kriegshilfsdienst tätig.

1919 wurde die Arbeiterwohlfahrt gegründet. Marie Juchaox wurde die Nachfolgerin von Luise Zitz. Luise Zitz zog 1917 infolge der Parteispaltung aus dem Parteivorstand aus, Klara Zetkin gab die Redaktion der Gleichheit auf, diese ging ein. Eine andere Frauenzeitschrift kam. Alle genannten Frauen die mit mir arbeiteten sind tot, bis auf Genossin Niendorf und ich, wir sind die letzten.
Unsere Arbeit war ein Beweis dafür, wie mühsam unser Vorwärtskommen war, ein Beispiel haben die alten Genossen gegeben. Trotz vieler Kinder, Streiks und wenig Geld, neben der Hauswirtschaft so viel an politischer Arbeit geleistet. Die alten Genossinnen haben von keiner Seite Hilfe gehabt, neben ihrer zahlreichen Kinderschar haben sie dazu noch verdienen müssen mit Zeitungaustragen und Morgenstellen.

Dazu haben wir Frauen, die die erste politische Arbeit leisteten, sehr gelitten unter den Vorurteilen der Genossen. Wie die Genossinnen sich den Genossen gegenüber (Genossen Adam, Poller, Rindfleisch, Grass) durchsetzen mußten, davon kann die Genossin Niendorf viel erzählen.



Unterschrift von Gertrud Völker.

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